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Versbuch

Der Erbe

Otto Ernst · 18621926

28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1907

Ich hebe meine GeigeGanz heimlich unters KinnUnd zieh’ mit leisem BogenGanz heimlich drüber hin.

Da hebt mein blondes DirnleinDen Fuß zum Tanzeschritt;Der Braunen lichtes StimmleinSingt schon die Weise mit.

Die Jüngste wiegt ihr Püppchen:„Marie Maruschka-ka“ –Mit großen dunklen AugenSitzt stumm mein Bube da.

Er kennt vor unserm FensterDen alten Weidenbaum.Wiegt auf dem höchsten WipfelIm Winde sich sein Traum?

Mein Sohn, in meinen TönenHörst du der Winde Tanz?Mein Sohn, in meinen TönenSiehst du der Wolke Glanz?

Mein Sohn, ich bin ein König,Willst du mein Erbe sein?Du wirst im SonnenpurpurEin Fürst der Ferne sein.

Ich hab’ ein Schloß voll SchimmerAn einem fernen Meer –Heb’ ich ans Kinn die Geige,Kommt Gruß und Glück daher.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Siebzig Gedichte S. 90–91, 1. Auflage, L. Staackmann, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Erbe“, Fassung 3.083.364 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Otto Ernst starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118682342 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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