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Versbuch

Apropos „Sumpfblatt“.

Rudolf Lavant · 18441915

33 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1879

Wenn ihr so oft von einem „Sumpfblatt“ sprecht,Habt ihr nur halb und unvollkommen recht;Ihr müßt euch wohl ― so scheint es mir ― bequemen,Noch Stengel oder Schaft dazu zu nehmenUnd auch die Wurzeln kann ich euch nicht schenken,Die nieder sich zur Weihertiefe senken;Man hält am Besten sich sogleich an’s GanzeUnd spricht ― warum auch nicht? ― von einer „Pflanze“.Und da es in der Art der Pflanzen liegt,Daß auf dem Stengel sich die Blüte wiegt,So ist das Resultat die makellose,Die weiße, schöne, stolze Wasserrose.Die Dichter vindiciren ihr Verstand ―Sie ist so schlau und blühet nie am Rand;In Weihers Mitte schwimmt sie rein und still ―Unnahbar Jedem, der sie brechen will.

Und dieses rath ich dir, mein lieber Sohn ―Sei nicht begehrlich, laß die Hand davon;Bezwinge klug das fiebernde Verlangen,Sie mit des Stockes Krücke einzufangen,Denn sonst verliert das Gleichgewicht dein RumpfUnd ― plumps! ― kopfüber fällst du in den Sumpf ―Dann hilft kein Sprudeln, Paddeln, Plätschern, Schnaufen ―Für deinen Vorwitz mußt du still ersaufen.Tief ist das Wasser ― traue nicht dem Schein;Um Gotteswillen, wate nicht hinein!Du merkst, wenn aus du deine Rechte streckst,Daß mit den Füßen du gefangen steckst,Daß tief und tiefer schnell dein Leib versinkt,Indeß die weiße Rose spöttisch blinktUnd zu dir nickt ironisch˶feine Grüße. ―So hat das Gleichniß Hände erst und Füße.―t.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Das Lämplein, Leipzig: Genossenschafts-Buchdruckerei (Deutschland), Leipzig, 1879
Digitalisat
de.wikisource.org — „Apropos "Sumpfblatt"“, Fassung 3.485.885 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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