Der Edelknabe und die Müllerin
Johann Wolfgang von Goethe · 1749–1832
45 Zeilen in 24 Strophen · zuerst gedruckt 1827
Edelknabe.
Wohin? Wohin?Schöne Müllerin!Wie heißt du?
Müllerin.
Liese.
Edelknabe.
Wohin denn? Wohin,Mit dem Rechen in der Hand?
Müllerin.
Auf des Vaters Land,Auf des Vaters Wiese.
Edelknabe.
Und gehst so allein?
Müllerin.
Das Heu soll herein,Das bedeutet der Rechen;Und im Garten daranFangen die Birnen zu reifen an;Die will ich brechen.
Edelknabe.
Ist nicht eine stille Laube dabei?
Müllerin.
Sogar ihrer zwey,An beiden Ecken.
Edelknabe.
Ich komme dir nach,Und am heißen MittagWollen wir uns drein verstecken.Nicht wahr, im grünen vertraulichen Haus –
Müllerin.
Das gäbe Geschichten.
Edelknabe.
Ruhst du in meinen Armen aus?
Müllerin.
Mit nichten!Denn wer die artige Müllerin küßtAuf der Stelle verrathen ist.Euer schönes dunkles KleidThät mir leidSo weiß zu färben.Gleich und gleich! so allein ist’s recht!Darauf will ich leben und sterben.Ich liebe mir den Müllerknecht;An dem ist nichts zu verderben.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Goethe’s Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Erster Band. Seite 189, J. G. Cotta’sche Buchhandlung, Stuttgart und Tübingen, 1827
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Edelknabe und die Müllerin“, Fassung 4.467.473 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Wolfgang von Goethe starb 1832; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1902 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118540238 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.