Das Grubenpferd
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
27 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Ein edles Roß, zu wild und ungeberdigVor’m Tilbury des Direktors, ward deshalbZum Grubenpferde degradiert und mußteDie Kohlenwagen zieh’n im Kohlenschacht. –Das edle Tier, an Licht und Luft gewöhntVom Sonnentag, verkümmerte – sein Fell,Sonst weich und glatt, ward zottelig, und wundIhm Kopf und Rücken vom Gestein der Decke,Zu niedrig für seinen hohen Wuchs. –Es mußte ziehen und es zog – die GeißelDes Treibers brach den Trotz ihm – aber mehrDas Dunkel und die Moderluft des Schachtes. –Ein Jammerdasein war’s dem edlen Roß. –Die Schläge fielen hageldicht, so baldDer Wagenpark nicht schnell genug vom SchachtZum Schachte flog – ob schuldig oder nicht,Des Treibers Zorn zerfleischte ihm den Rücken. –Da – wieder traf sein armer Kopf der SchlagVon roher Faust, wie’s ihm so oft geschah –Zerriß die Stränge es und stürmte fort,Durch’s Streckendunkel, sonder Halt und Ziel. –War’s Wut, Verzweiflung, Freiheitsdrang, wer kündet’s –Doch seiner Qualen Ende war’s – man fand es,Den Kopf zerschellt, in einem Wassertümpel. –
Ein Pferd nur, bah, ein Grubenpferd, und darumSo viele Worte – hör’ ich Leser sprechen. –Ja, nur ein Pferd – ihr habt mich nicht verstanden. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang. S. 53, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das Grubenpferd (Kämpchen)“, Fassung 2.366.478 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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