Dem toten Freunde
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
33 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1909
(H. B ... r.)
Immer enger wird der KreisDerer, die mit mir gelitten,Derer, die mit mir gestrittenEinst in Tagen schwül und heiß –
Auch Dich hat es nun entrafftPlötzlich in das Reich der Toten,Auch du wurdest heim entbotenFür die letzte stille Haft. –
Bruder, Freund – du warst es mir –Haben wir uns doch verstanden,Wo die andern sich nicht fanden,Nah am Grabe dank’ ich’s dir. –
Und wenn man dein Tun verkannt,Ich will für dich Zeugnis geben:Ehrlich, ehrlich war dein Streben,Keinem Truggold zugewandt. –
Warst ein Kämpfer treu und echt,Der für’s Knappenwohl gestritten,Der gehungert und gelittenUnd in Fesseln ging für’s Recht. –
Undank ist zumeist der Lohn –Auch dir wurde schnöd’ vergolten,Auch du wurdest oft gescholtenUnd gekränkt durch Spott und Hohn.
Aber nie hast du geschmäht,Nur den Unverstand bedauertUnd im Stillen oft getrauert,Bis dein Atemzug verweht. –
Ruhe sanft im Totenhain,Ueberschattet von Zypressen,Lust und Leid sind nun vergessen,Aber Freund. ich denke dein. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 62, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Dem toten Freunde (Kämpchen)“, Fassung 3.468.702 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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