Sonnenschein
Gustav Schwab · 1792–1850
33 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1828
1816.Alle Blüthe war verdorbenIn der trüben Regenzeit,Aller Sang war ausgestorben,Keine Freude weit und breit.Was gespielt im Hetzen munter,Ganz erstarrt war Lieb’ und Lust,Alle Lieder tauchten unter,Wagten sich nicht aus der Brust.
Auf der hohen Alpenkette,Wo die schönen Burgen steh’n,Wo die Sagen um die WetteDurch die alten Trümmer gehn,Sah man nur den Nebel heuerUnd des Regens ew’gen Fall,In dem moosigen GemäuerSchliefen die Geschichten all’.
Endlich scheint die SommersonneUeber ihr vergess’nes Land,Und zu ungewohnter WonneZieht es an sein Festgewand,Das mit Perlen ist bethauet,Das mit Gold ist überstickt;Weil der Himmel nicht mehr grauet,Auch die Erde freundlich blickt.
Von den Burgen weh’n die Sagen,In dem kleinen LiedermundBringt der Vogel sie getragenUnd der Dichter macht sie kund,Der die frischesten der LiederSingt in seines Herzens Drang:Was als Sonne scheinet nieder,Keimet auf als Blum’ und Klang.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 83–84, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Sonnenschein“, Fassung 1.372.202 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.