Einzug
Gustav Schwab · 1792–1850
34 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Da bin ich nun, ihr Berge blauDu fremdes Dorf, du neues Gau!Ich hab’ das Alte gar vergessen,Mir ist, als hätt’ ich’s nie besessen.Empfangt mich freundlich, Wald und Feld,Als käm’ ich eben erst zur Welt.Tief hinter mir in Duft und SchaumLiegt die vergang’ne Zeit als Traum;Der Sommer fällt mir kaum noch einMit seinem lieben Sonnenschein:Damit ich ihn nicht sollt’ vermissen,Verschied er unter Regengüssen;Der Herbstwind nahte mit Gebraus,Und löschte rings die Blumen aus;Auf weht’ er selber mir die Thür,Und ging die staub’ge Bahn mir für.Ich ließ die Hütte ruhig stehen,Ich habe mich nicht umgesehen;Und daß es mich nicht sollte reu’n,Schlug hinter mir der Blitz darein.Mein Liebchen auch mit VorbedachtHat mir das Scheiden leicht gemacht;Um allen Gram mir zu ersparen,Weil ich nun sollte von ihr fahren,Daß ich mich könnt’ so leichter fassen,Hat sie mich selbst zuvor verlassen.
So sey es! hier im frischen SchneeVergrab’ ich all mein altes Weh,Und will es wieder Frühling werden,So keimt auch mir Lust aus der Erden;Ein neues Hüttlein läßt sich bau’n,Ein neuer Sommer läßt sich schau’n,Und unter Euch, ihr fremden Kinder,Ein neues Schätzlein auch nicht minder!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 51–52, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Einzug“, Fassung 1.221.220 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.