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Versbuch

Nachruf an Wilhelm Hauff

Gustav Schwab · 17921850

33 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1828

Im Namen der Freunde gedichtet und am Grabe gesprochen.O heller Tage dunkles Ende, Tod!Den Schleier wirfst du über viel Gestalten,Die reich an Leben und von Jugend rothVor diesem Auge, das du schlossest, wallten;Ach! was die Welt im Keim von Bildern bot,Das wußt’ es schnell und glänzend zu entfalten,Das wandelt noch vor unsern Blicken her,Nur, der es schuf, der schauet es nicht mehr.

Aus Lust und Laune mußt’ Er bald heraus,Und kurze Frist ward Ihm zum Ernst gegeben:Die Liebe führt’ ihn in des Freundes Haus,Dem jäher Sturz zerschmetterte das Leben,Da ward vertraut Er mit des Grabes Graus,Und neue Bilder sah Er um sich schweben:Den Blick versenkt’ Er in den schwarzen Schlund:Laßt mich zum Freunde! sprach sein kranker Mund.

Und Weib, und Kind, und Ruhm – bescheeret kaum –Schon schwand’s vor Ihm, und immer ward er stummer;Vom Traum des Dichters ging’s in Fiebertraum,Vom bunten Fiebertraum in tiefen Schlummer,Und so, im Schlummer, in den engen Raum,In den er sinkt zu seiner Freunde Kummer;Uns bleibt von seines Hauptes JugendglanzNichts als der frühe, grüne Lorberkranz.

Doch weinet ihr um den entfloh’nen GeistIn hoffnungsloser Trauer nicht, ihr Lieben!Uns ist, was uns der Wahrheit Wort verheißt,Mit Flammenschrift in unsre Brust geschrieben:Die Kraft, die schöpferisch den Schöpfer preist,Die denkt und dichtet, sie kann nicht verstieben;Sie schwindet nicht hinüber in das Nichts,Sie schaffet droben in dem Reich des Lichts.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte. 1. Band, S. 116–117, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
Digitalisat
de.wikisource.org — „Nachruf an Wilhelm Hauff“, Fassung 1.517.277 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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