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Versbuch

Gottes Engel

Gustav Schwab · 17921850

87 Zeilen in 21 Strophen · zuerst gedruckt 1828

4.Gottes Engel.1826.Seiner Boten EinenAus der Engel SchaarLäßt der Herr erscheinenJedes neue Jahr.

Aus der Zeiten PforteSchwebt der Himmelsgeist,Den er seine WorteUns verkünden heißt.

Oft erscheint ein EngelFried’ ist er genannt,Der den LiljenstängelNeigt ob allem Land:

In die Beete niederSinkt der Blumenstaub,Da erwachen wiederBlüth’ und Frucht im Laub.

Oft herab zur ErdeFleugt der Engel Krieg,Mit dem RacheschwerdeGottes oft der Sieg;

Und als Schnitter stehenSie in reifer Welt,Fangen an zu mähenWie es ihm gefällt. –

Wen hat er gesendetUns in dieses Jahr?Wen, emporgewendetWird der Blick gewahr?

Ach, es ist der ernsteDiener, ist der Tod!Trägt bis an das fernsteUfer sein Gebot.

Einem FürstengreiseSchob er jüngst den ArmUnter’s Haupt, das leiseFortschläft ohne Harm.

Dann von Thron zu ThroneZog er, und dem ZaarNahm die gold’ne KroneEr vom blonden Haar;

Und worauf hieniedenSein Gedanke sann:Zu dem ew’gen FriedenZeigt’ er ihm die Bahn.

Und es geht der EngelWeiter seinen Pfad,Vor ihm grünt der MängelUnd der Sünden Saat.

Gräber stehen offen:Doch – was kommen mag –Freunde, laßt uns hoffen,Gottes ist der Tag.

Laßt den Dichter schwärmen,Laßt ihn prophezei’n,Sonnen sich und wärmenAn der Ahnung Schein:

Fremden RegionenEilt der Engel zu,Euch, ihr Hütten, Thronen,Gönnt er lange Ruh’!

Dort wo müde StreiterBang gen Himmel sehn,Wo Egyptens ReiterDicht, wie Mauern, stehn:

Dorthin seht ihn fliegen,Seht ihn unbemerktIn den Reihen liegen,Die kein Andrer stärkt!

Ist er nicht der alteWürger ohne Schlacht,Dessen Köcher schallteIn der Mitternacht?

Der die ErstgebornenIn Egypten schlug,Bis daß HalbverlornenWurde frei der Zug?

Schreite, Gottes Bote,Nur in’s neue Jahr!Was dein Blick auch drohte,Uns droht nicht Gefahr.

Unsre Herzen schwellen,Sind in Hoffnung froh:Stürmt, ihr Meereswellen,Ueber Pharao!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte. 1. Band, S. 164–167, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
Digitalisat
de.wikisource.org — „Gottes Engel“, Fassung 1.462.888 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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