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Versbuch

Die Ruhigen

Georg Heym · 18871912

17 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1911

Ernst Balcke gewidmet

Ein altes Boot, das in dem stillen HafenAm Nachmittag an seiner Kette wiegt.Die Liebenden, die nach den Küssen schlafen.Ein Stein, der tief im grünen Brunnen liegt.

Der Pythia Ruhen, das dem Schlummer gleichtDer hohen Götter nach dem langen Mahl.Die weiße Kerze, die den Toten bleicht.Der Wolken Löwenhäupter um ein Tal.

Das Stein gewordene Lächeln eines Blöden.Verstaubte Krüge, drin noch wohnt der Duft.Zerbrochne Geigen in dem Kram der Böden.Vor dem Gewittersturm die träge Luft.

Ein Segel, das vom Horizonte glänzt.Der Duft der Heiden, der die Bienen führt.Des Herbstes Gold, das Laub und Stamm bekränzt.Der Dichter, der des Toren Bosheit spürt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Der ewige Tag. S. 43, 1. Auflage, Rowohlt, Leipzig, 1911
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Ruhigen“, Fassung 3.566.465 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Georg Heym starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118550683 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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