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Versbuch

Die Gefangenen II

Georg Heym · 18871912

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1911

Sie trampeln um den Hof im engen Kreis.Ihr Blick schweift hin und her im kahlen Raum.Er sucht nach einem Feld, nach einem Baum,Und prallt zurück von kahler Mauern Weiß.

Wie in den Mühlen dreht der Rädergang,So dreht sich ihrer Schritte schwarze Spur.Und wie ein Schädel mit der Mönchstonsur,So liegt des Hofes Mitte kahl und blank.

Es regnet dünn auf ihren kurzen Rock.Sie schaun betrübt die graue Wand empor,Wo kleine Fenster sind, mit Kasten vor,Wie schwarze Waben in dem Bienenstock.

Man treibt sie ein, wie Schafe zu der Schur.Die grauen Rücken drängen in den Stall.Und klappernd schallt heraus der WiderhallDer Holzpantoffeln auf dem Treppenflur.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Der ewige Tag. S. 12, 1. Auflage, Rowohlt, Leipzig, 1911
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Gefangenen II“, Fassung 3.507.847 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Georg Heym starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118550683 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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