Rebellenlied
Erich Mühsam · 1878–1934
41 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1920
Dezember 1918
Sie hatten uns mit Zwang und Lügenin ihre Stöcke eingeschraubt.Sie hatten gnädig uns erlaubt,in ihrem Joch ihr Land zu pflügen.Sie saßen da in Prunk und Prachtmit vollgestopftem Magenund zwangen uns, für ihre Machteinander totzuschlagen.Doch wir, noch stolz auf unsre Fesseln,verbeugten uns vor ihren Sesseln.
Sie kochten ihre Larvenschminkeaus unserm Blut und unserm Schweiß.Sie traten uns vor Bauch und Steiß,und wir gehorchten ihrem Winke.Sie fühlten sich unendlich wohl,sie schreckte kein Gewitter.Jedoch ihr Postament war hohl,ihr Kronenschmuck war Flitter.Wir haben nur die Faust erhoben,da ist der ganze Spuk zerstoben.
Es rasseln zwanzig Fürstenkronen.Die erste Arbeit ist geschafft.Doch, Kameraden, nicht erschlafft,soll unser Werk die Mühe lohnen!Noch füllen wir den Pfeffersackauf ihr Geheiß den Reichen;noch drückt das Unternehmerpackden Sporn uns in die Weichen.Noch darf die Welt uns Sklaven heißen, –noch gibt es Ketten zu zerreißen.
Vier Jahre hat die Welt der Knechteihr Blut verspritzt fürs Kapital.Jetzt steht sie auf, zum erstenmalfür eigne Freiheit, eigne Rechte.Germane, Römer, Jud und Russin einem Bund zusammen, –der Völker brüderlicher Kußlöscht alle Kriegesflammen.Jetzt gilt's die Freiheit aufzustellen. –Die rote Fahne hoch, Rebellen!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Brennende Erde. Verse eines Kämpfers, S. 67, Kurt Wolff Verlag, München, 1920
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Rebellenlied“, Fassung 3.779.730 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Erich Mühsam starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118584758 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.