Zum Inhalt springen
Versbuch

Epoche

Gedichte der Aufklärung

Zur Aufklärung sind hier 297 Gedichte von sechs Verfasserinnen und Verfassern versammelt. Fast ein Drittel davon – 97 Stücke – hat höchstens zwölf Zeilen, das kürzeste zwei, das längste 112. Jeder Text ist vollständig, gemeinfrei und mit der Druckausgabe angegeben, aus der er hier stammt.

297 Gedichte von 6 Verfasserinnen und Verfassern · davon 97 mit höchstens 12 Zeilen

Verfasserinnen und Verfasser dieser Epoche

Nach Geburtsjahr geordnet.

Gedichte aus dieser Epoche

120 von 297 Gedichte, kürzestes zuerst. Die vollständige Liste steht auf der Seite der jeweiligen Verfasserin oder des Verfassers.

Der Bestand, seine Kürze und der Umgang mit alten Drucken

Auch hier gilt die Epochenangabe dem Verfasser und nicht dem einzelnen Text. Wer als Autor der Aufklärung geführt wird, steht mit allem hier, was von ihm vorliegt – das Lehrhafte neben dem Spöttischen, das Fromme neben dem Erotischen. Für die Suche heißt das: Die Überschrift grenzt einen Kreis von Verfassern ein, keine Stimmung. Wer eine bestimmte Stimmung braucht, sieht sich besser die Titel und die Anfangszeilen an; sie verraten in wenigen Wörtern mehr als jede Epochenbezeichnung.

Die Verteilung überrascht viele: Nicht Lessing führt den Bestand an, sondern Christian Felix Weiße mit 102 Gedichten, gefolgt von Christian Fürchtegott Gellert mit 73. Danach kommen Friederike Brun mit 45, Johann Baptist von Alxinger mit 40, Gotthold Ephraim Lessing mit 29 und Matthias Claudius mit 8. Wer also ein Claudius-Gedicht sucht, hat eine sehr kleine Auswahl; wer Weiße nicht kennt, findet hier den umfangreichsten Teil. Gellert ist vor allem als Fabeldichter und Verfasser geistlicher Lieder geläufig – ein Ton, der sich für Andachten eignet.

Kürzer als in dieser Gruppe wird es kaum. Von Lessing stehen zahlreiche Sinngedichte hier, die mit zwei Zeilen auskommen: „An den Marull“ beginnt „Groß willst du, und auch artig seyn?“, „Auf die Galatee“ mit „Die gute Galatee! Man sagt, sie schwärz’ ihr Haar;“. Ebenso zweizeilig sind „Auf den Mison“, „Auf Frau Trix“ und „Entscheidung des vorigen“ – der Titel des letzten zeigt, dass diese Stücke paarweise gedruckt wurden und aufeinander antworten. Reißt man eines heraus, fehlt ihm die Hälfte seiner Pointe.

Vierzeilig sind Lessings „An den Leser“ – „Du, dem kein Epigramm gefällt,“ –, „Abschied an den Leser“, „An einen Autor“, „Auf einen gewissen Leichenredner“, „Auf Muffeln“ und „Auf den Tod eines Affen“. Alle sind zugespitzt und meist spöttisch; für einen Trauerfall taugen sie nicht, für eine Rede mit Witz sehr wohl. Anders klingt Friederike Bruns „Freundschaft und Liebe“ von 1795, vier Zeilen, beginnend „Hand in Hand und unzertrennbar wandeln“. Sechs Zeilen hat „Chloe“ von Christian Felix Weiße, 1758 gedruckt: „Ja, Chloe, wenn du bey mir bist,“.

Für die Auswahl ist die Kürze hier Vorteil und Falle zugleich. Ein Zweizeiler passt überall hin – auf eine Karte, in eine Einladung, unter ein Bild –, aber er trägt keine Feier. Wer eine Ansprache eröffnen will, braucht mindestens vier bis acht Zeilen, damit die Zuhörer ankommen. Vorgelesen dauern zwei Zeilen fünf Sekunden; das kann als Pointe genau richtig sein und als Redeanfang zu wenig. Prüfen Sie den Text laut, bevor Sie ihn drucken lassen – das ist die einzige verlässliche Probe.

Zum Rechtlichen in einem Satz: Diese Texte gehören niemandem mehr. Der Urheberschutz endet siebzig volle Kalenderjahre nach dem Tod des Verfassers (§ 64 UrhG, Fristbeginn nach § 69 UrhG), und bei Autoren des 18. Jahrhunderts liegt das weit zurück. Abschreiben, drucken, vertonen, in ein Schulheft setzen, auf einem Markt verkaufen – alles erlaubt, ohne Anfrage. Wer dagegen eine neuere Übertragung oder eine bearbeitete, sprachlich modernisierte Fassung verwendet, greift auf ein eigenständiges Werk zu, das nach § 3 UrhG geschützt sein kann.

Am auffälligsten ist bei diesen alten Drucken die Rechtschreibung. „seyn“ und „bey“ mit y sind im 18. Jahrhundert die Regel und keine Verschreibung; das y verschwand erst im 19. Jahrhundert aus solchen Wörtern. Der Apostroph in „schwärz’“ zeigt einen fehlenden Buchstaben an, hier in der Konjunktivform. Wer solche Formen modernisiert, verändert den Klang der Zeile und manchmal das Versmaß. Am sichersten fährt, wer buchstabengetreu übernimmt, was in der angegebenen Ausgabe steht, und die Schreibung nicht halb anpasst.

Bei den Jahreszahlen lohnt ein zweiter Blick. Neben Lessings Sinngedichten stehen hier Angaben wie 1838 oder 1982 – das sind die Druckausgaben, aus denen der Wortlaut übernommen ist, nicht die Zeit ihrer Entstehung. Diese Unterscheidung ist keine Spitzfindigkeit: Sie erklärt, warum ein Text der Aufklärung eine Jahreszahl aus dem 20. Jahrhundert trägt. Für die Quellenangabe nennt man beides sinnvoll in einer Zeile – Verfasser, Titel, verwendete Ausgabe –, dann ist nachvollziehbar, welchem Druck der abgeschriebene Wortlaut folgt.