Das Heupferd, oder der Grashüpfer
Christian Fürchtegott Gellert · 1715–1769
16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1769
Ein Wagen Heu, den Veltens HandZu hoch gebäumt, und schlecht bespannt,Konnt endlich von den matten PferdenNicht weiter fortgezogen werden.
Des Fuhrmanns Macht- und Sittenspruch,Ein zehnmal wiederholter Fluch,War eben, wie der Peitsche Schlagen,Zu schwach bey diesem schweren Wagen.
Ein Heupferd, das bey der GefahrZu oberst auf dem Wiesbaum war,Sprang drauf herab, und sprach mit Lachen:Ich wills dem Viehe leichter machen.
Drauf ward der Wagen fortgerückt.Ey, rief das Heupferd ganz entzückt,Du, Fuhrmann, wirst an mich gedenken;Fahr fort; den Dank will ich dir schenken.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Erstes Buch. S. 58, 1. Auflage, M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch, Leipzig, 1769
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das Heupferd, oder der Grashüpfer“, Fassung 4.597.659 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Christian Fürchtegott Gellert starb 1769; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1839 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118538322 der Deutschen Nationalbibliothek.
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