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Versbuch

Der sterbende Vater

Christian Fürchtegott Gellert · 17151769

16 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1769

Ein Vater hinterließ zween Erben,Christophen, der war klug, und Görgen, der war dumm.Sein Ende kam, und kurz vor seinem SterbenSah er sich ganz betrübt nach seinem Christoph um.Sohn! fieng er an, mich quält ein trauriger Gedanke:Du hast Verstand, wie wird dirs künftig gehn?Hör an, ich hab in meinem SchrankeEin Kästchen mit Juwelen stehn,Die sollen dein. Nimm sie, mein Sohn,Und gieb dem Bruder nichts davon.

Der Sohn erschrack und stutzte lange.Ach Vater! hub er an, wenn ich so viel empfange,Wie kömmt alsdann mein Bruder fort?Er? fiel der Vater ihm ins Wort,Für Görgen ist mir gar nicht bange,Der kömmt gewiß durch seine Dummheit fort.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Sämmtliche Schriften. 1. Theil: Fabeln und Erzählungen, Zweytes Buch. S. 130, 1. Auflage, M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch, Leipzig, 1769
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der sterbende Vater“, Fassung 4.602.700 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Christian Fürchtegott Gellert starb 1769; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1839 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118538322 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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