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Versbuch

Stecken geblieben.

Rudolf Lavant · 18441915

45 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt 1884

Da schlag doch der und jener drein!Mir fährt’s in alle Glieder!Man soll nur einmal glücklich sein ―Gleich holt’s der Teufel wieder!

Im Winter „walzen“, schlimme G’schicht!Denn focht ich auch nach Noten,Zu neuen Sohlen langt‘ es nicht ―Ich lief „auf deutschem Boden“.

Das halte aus, wer mag und kann,Bei tief verschneiten Bahnen!Erbarmte doch ein guter MannSich meiner „Untertanen“!

Da sprach ein alter Schmied zu mir:„Na, Freund, mir will es scheinen,Als fielen beide Stiefel dirIn Fezen von den Beinen“.

Er war sich jedenfalls bewußtAus seinen Jugendjahren,Wie er die Handwerksburschen-LustAm eignen Leib erfahren.

Er reichte mir die Stiefel darNebst einer alten Blouse:„Sieh‘ zu! Die Leute sagen zwar,Ich leb‘ auf großem Fuße.“

Ich lachte: „Besser als zu klein!Zu groß? Das wäre heiter!“Ich schlüpfte kreuzvergnügt hineinUnd trollte dankend weiter.

Der Alte rief: „Behüt‘ dich Gott!“Mit einer Rührungsträne;Es waren freilich ― ohne Spott! ―Zwei „alte, tücht’ge Kähne“.

Nun zieht der Schnee mir einen ausUnd muß ich weiter wandern,Verlier‘ ich bis zum nächsten HausAuf jeden Fall den andern.

Na, bis ins Dorf helf‘ ich mir so,Das werd‘ ich ab dann klopfen;Dann findet sich wohl etwas StrohDie Stiefel auszustopfen.

Sie sind mir freilich viel zu weit,Doch sind sie nicht zerrissen;Wer wandern will, muß jederzeitSich auch zu helfen wissen!“

Rudolf Lavant.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
off, Auer/Hamburg und J.H.W. Dietz/Stuttgart (in Kommission), Leipzig, 1884
Digitalisat
de.wikisource.org — „Stecken geblieben“, Fassung 3.156.918 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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