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Versbuch

Der Froschdeich

Rudolf Lavant · 18441915

42 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 05. April 1902

(Aenne boliddsche Fawel aus Sachsen.)

Es war ämal ä scheener großer Deich,Ae reener Wald von Rohr un Schilf un Binsen;Sei Schbiegel war gans grien von Wasserlinsen —Da drinne war der Fresche Geenigreich.Was der gemeene Wassergäckrich war,Der freide sich, wenn’s rechd nach Schlamm geschdunken,Un in der Diefe morxden ä baar UnkenBei Dag un Nachdʼ — ʼs war eefach wunderbar!

An flachen Ufer hockde uffen SchdeenDe Gäckrichschar in innigen Behagen,Geschitzd vor Nahrungs- un Vermehrungsfragen,Un schdrakelde das eene Hinderbeen.Das Gehrchen lebde so in Saus un BrausUn wenn Eens gahm, denn — hobbdich! dauchden munderSe mid än eenzgen giehnen Gobbschdurz under,Un schdeckden nur de breeden Guschen raus.

Un wordes duster un de Nachd war scheen,Denn machden quakend se in LiewesliedeBeharrlich Lufd den brinstigen Gemiede —Mer gonnde gaum sei eegnes Word verschdehn.Den wärdgen Vader iewerdraf der SohnIn seines Herzens ungeschdiemen DrangeIn hellen, hohen, schallenden GesangeUn dumf derzwischen glang der Unkendon.

Da gam ämal ä ernster Schdorch gegangUn fuhr in Deich mid seinen spitzen SchnawelUn fing Sie an mid dieser rohden GawelDe armen Fresche grausam ʼrauszulang.Er gannde Schonung nich noch MidgefielUn auß’m Schlamm zerrderse an BeeneUn schbießdese — war das nich sehr gemeene? —Un fraß se nachher uff mid Schdumf un Schdiel.

Da faßden sich de Gäckriche ä HerzUn klagden laud, erbidderd ob der DadenDes beesen Schdorchs un den erliddnen Schaden,Der Deichregierung ihren diefen Schmerz.Die had den Schdorch ooch schleinigst fordgejagd,Damid er niemals widder ein sich schleiche,Un numehr hab’s in ihren grienen ReicheDen braven Freschen widder sehr behagd.Fritzchen Mrweessesnich.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
off, Leipziger Volkszeitung, Leipzig, 05. April 1902
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Froschdeich“, Fassung 3.648.686 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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