Der Mustersteiger
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Was soll der Steiger sein? – Zuerst ein Treiber,Denn Kohlen, Kohlen gilt’s für ihn, zu schaffen –Anspannen, bis zum völligen Erschlaffen,Soll er die Menschen- und die Pferdeleiber, –
Dann soll er kargen, kargen mit der Löhnung,Mit Holz und allem, was da Geld tut kosten –Soll rauben lassen auch die StempelpfostenIm Pfeilerbau zur Sparsamkeitsgewöhnung. –
Dann soll er schneidig sich des Tons befleißen,Des „Mustertons“, den die Sergeanten führen –Der Bergmann soll sogleich daran verspüren:Du bist ein Knecht und tust was dir geheißen! –
Ist so der Steiger, ist’s um ihn nicht schade,Doch selbstverständlich muß den „Soll“ er schaffen.Und hat er Pech, kann er ihn nicht erraffen,So fliegt er dennoch ohne alle Gnade. –
Ihr aber, Knappen, die ihr eure LeiberIm Kohlenschacht an harter Arbeit „letzet“, –Denkt, wenn der Steiger euch noch spornt und hetzet:Er wird getrieben und ist wieder Treiber. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 112–113, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Mustersteiger (Kämpchen)“, Fassung 3.436.790 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.