Der gemachte Mann
Rudolf Lavant · 1844–1915
32 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1965
Mit Kopf, Genie und EllenbogenBrach ich im Leben mir die Bahn.Nun hab ich mich zurückgezogenUnd seh die Welt von oben an.
Wenn ich so aus dem Fenster guckeUnd unten geht ein armer Tropf,- Nur Lumpen gehn zu Fuß - so spuckeIch ihm recht huldvoll auf den Kopf.
Daß jeder aus dem MenschenknäuelDurch die Natur mein Bruder sei –Dies Wort ist mir ein wahrer Greuel,Und ich erklär's als Eselei.
Tritt dieser Wahnsinn mir entgegen,Bekämpf ich schroff ihn bis zuletzt:Die andern sind nur meinetwegenVom Schicksal auf die Welt gesetzt.
Daß sie mir meinen Acker düngenMit ihrem Schweiß, ist Schicksalsschluß,Und dafür, daß sie sich verjüngen,Ist ja gesorgt im Überfluß.
Dem Arbeitsmann, dem schlichten, wackern,Sind feste Grenzen abgesteckt:Er hat für mich sich abzurackern,Und wer sich weigert, der verreckt.
So ist's des Allerhöchsten Wille,Und dieser Fügung beug ich mich;Auch danke laut wie in der StilleIch meinem Gott allsonntäglich.
Schon in der Bibel kann man's lesen,Und darauf schwör ich Stein und Bein:So, wie es ist, ist's stets gewesenUnd wird es auch in Zukunft sein.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Rudolf Lavant Gedichte, 3. Auflage, Akademie Verlag, Berlin, 1965
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der gemachte Mann“, Fassung 3.492.490 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.
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