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Versbuch

Giordano Bruno

Karl Henckell · 18641929

57 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1921

Verrà giorno, nel quale effet-tualmente potrò dire: »Sorgeròe vincerò.« G. Bruno.

„Giordano Bruno!“ schrie ichUnd war erwacht.Prasselnd barst die Luft,In Flammen stand die Kammer,Blitzdurchleuchtet.Vom Nachttisch blendendSchien mir das jugendschöne BildDes Märtyrers ins Auge,Wehmütig lächelnd.In kühnen Ringeln fielenUm sein Haupt die Locken,Sinnlich keckUnd übermütig blühteDer kleine Schnurrbart,Frei lag der Hals,Und um die breite BrustBauschte sich voll die weite Gewandung.Glutlodernd wieder,Von wirklichen Blitzen entzündet,Empordräute mein Traumschreck.Auf gräßlichem ScheiterhaufenDer qualmumwölkteHerrliche Held und Denker der Welt hing.Die bösen Idioten,Verkappte MaskenIn langen, weißen,Schleppenden LakenTanzten wie Orang-UtansKreischend im Kreise,Und die gefräßigste BestieHüpfte mit dem heiligenMarterholze des Herren Jesu,Geil von Haß,Zu dem fast verhauchendenGeistes-Verbrecherfürsten,Fauchte: „Du Schwein! Du Esel!“Und schlug ihn blutig mit himmlischem Heilskreuz.

Da kehrte voll EkelSterbend sein Haupt zur SeiteDer Gute, Große.TodüberlegenVerschied er.Ihm war,Wie wenn er tauche in den blauen GolfDer Sonnenheimat ...

Blitze flackerten,Donner stürmten,Unter Krachen bebten des Hauses Säulen.Riesig leuchtendRagte das Bronzedenkmal,Umspielt von übelriechenden Giftflämmchen,Und in Millionen Trümmer zerborsten,Tote Flüche verzischend,Drüben versank der Vatikan.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Karl Henckell: Gesammelte Werke Bd. 2 München 1921 S. 71–73, J. M. Müller, München, 1921
Digitalisat
de.wikisource.org — „Giordano Bruno (Karl Henckell)“, Fassung 1.610.305 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Karl Henckell starb 1929; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1999 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118835289 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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