Zum Inhalt springen
Versbuch

Genügen

Otto Ernst · 18621926

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1907

Wie trüg' ich wohl ein Fernverlangen,Da hier der Tag in Rosen blüht,Die Sonne mich erweckt mit PrangenUnd mir am Abend sanft verglüht?

Vom Garten schon in früher StundeHerüberträgt der MorgenwindEin Lied aus froher Kinder Munde –Wie singt so hell mein eig'nes Kind!

Der Mittagsruf klingt durch die Saaten.Wie Arbeit Stirn und Hände bräunt!Es winkt, vom Werk sich zu beraten,Zum Heimweg mir ein ernster Freund.

Wie trüg' ich wohl ein Fernverlangen,Da du mein Rebenhaus bewohnstUnd mir mit liebendem UmfangenAm Abend jede Mühe lohnst?

Beseligt von des Tags Geschenken,Genieß' ich sein in später Ruh'.Ein letztes, leises Überdenken –Und träumend fällt die Wimper zu. –

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Siebzig Gedichte S. 85, 1. Auflage, L. Staackmann, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Genügen“, Fassung 2.912.569 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Otto Ernst starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118682342 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Otto Ernst

Alle Gedichte von Otto Ernst ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Naturalismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.