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Versbuch

Johannisnacht

Otto Ernst · 18621926

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1907

Leuchtkäfer schwammen in der schweren Nacht,Auf bleichem Rasen schliefen die Syringen;Nur der Jasmin blieb wach und horchte stillMit mondverklärten Augen einem Klingen.

Aus blauen Wipfeln sang die Nachtigall,Ein Jauchzen war’s und jugendwildes Weinen.Sie sang das Lied der jungen Sinnenkraft,Das Lied, in dem sich Tod und Leben einen.

Und rückgesunk’nen Blicks, geschloss’nen Auges,Fühlt’ ich der Erde Schuld und Angst verwehn,Und alle, alle hab’ ich sie verstanden,Die frommen Sünden, die wir rein begehn.

In bangen Schauern hab’ ich sie verstanden,Die süßen Sünden trunk’ner Lässigkeit,Die einst mit grassem Blick vor uns erstehenAls spätes, als erbarmungsloses Leid.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Siebzig Gedichte S. 35, 1. Auflage, L. Staackmann, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Johannisnacht“, Fassung 1.623.318 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Otto Ernst starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118682342 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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