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Versbuch

Erscheinung

Otto Ernst · 18621926

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1907

Eine düst’re Wolke seh’ ich schwimmenDurch den abendlichen Himmelsraum.Nur um ihres Scheitels Zacken glimmenZarte Lichter wie ein Flockensaum.

Gleichwie starrgewalt’ge BergesschroffenRagt die Wolke hoch in den Azur.Doch um ihre Stirne lichtgetroffenHängt des Alpenglühens Rosenflur.

Denn verborgen hinter jener MauerStrömt der Gnadenquell des Sonnenlichts,Und die Wolke, uns ein Bild der Trauer,Blickt nach dort verklärten Angesichts.

Also sah ich düst’re MenschenstirnenIn den Grenzen dieser Erde auch:Sie umfloß wie Glanz der AlpenfirnenEines fremden Lichtes leiser Hauch.

Augen sah ich, die dem Hier entrinnen,Das mit Tränenschatten sie umhüllt;Doch versunken war ihr Blick nach innenUnd von dort mit sel’gem Glanz erfüllt. –

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Siebzig Gedichte S. 51, 1. Auflage, L. Staackmann, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Erscheinung“, Fassung 1.623.326 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Otto Ernst starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118682342 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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