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Versbuch

Epoche

Gedichte des Biedermeier und des Vormärz

Biedermeier und Vormärz führen hier 669 Gedichte zusammen – zwei Strömungen derselben Jahrzehnte, die eine nach innen, die andere nach außen gewandt. 230 Stücke haben höchstens zwölf Zeilen, das längste 901. Jeder Text steht vollständig da, mit Verfasser, Lebensdaten und Druckausgabe.

669 Gedichte von 11 Verfasserinnen und Verfassern · davon 230 mit höchstens 12 Zeilen

Verfasserinnen und Verfasser dieser Epoche

Nach Geburtsjahr geordnet.

Gedichte aus dieser Epoche

120 von 669 Gedichte, kürzestes zuerst. Die vollständige Liste steht auf der Seite der jeweiligen Verfasserin oder des Verfassers.

Namen, Längen, Schreibweisen – und was erlaubt ist

Zwei Namen für eine Zeit: Biedermeier meint gewöhnlich das Rückzügige, Häusliche, Formbewusste, Vormärz die politische Dichtung der Jahre vor 1848. Zusammengefasst sind sie hier, weil die Verfasser dieselben Jahrzehnte teilen und manche in beide Richtungen schrieben. Wie überall in diesem Verzeichnis gilt die Epoche dem Autor, nicht dem einzelnen Gedicht: Ein Liebeslied von 1827 und ein Spottvers desselben Verfassers aus späteren Jahren stehen deshalb Seite an Seite, ohne dass die Überschrift für jedes Stück gleich gut passt.

Am deutlichsten zeigt sich das bei Heinrich Heine, von dem 469 der 669 Gedichte stammen. Seine Einordnung ist geteilt und war es immer: Man führt ihn als Spätromantiker, als Vormärzdichter und als Autor des Jungen Deutschland, je nachdem, welches Werk gemeint ist. Er nimmt hier also nicht nur den größten Platz ein, er ist zugleich der Fall, an dem die Grenzen der Epocheneinteilung sichtbar werden. Wer streng nach Schule sortiert, sucht ihn deshalb sinnvollerweise an mehr als einer Stelle.

Nach Heine folgt Louise Otto-Peters mit 108 Gedichten. Danach wird es schmal: Georg Friedrich Daumer mit 20, Georg Herwegh mit 14, Georg Weerth mit 13, Franz Grillparzer mit 12, Eduard Mörike und August Heinrich Hoffmann von Fallersleben mit je 8. Wer gezielt ein Mörike-Gedicht sucht, hat also acht zur Wahl – darunter „Septembermorgen“, 1878 gedruckt, sechs Zeilen, beginnend „Im Nebel ruhet noch die Welt,“. Von Nikolaus Lenau steht unter anderem „Trutz Euch!“ von 1851 hier, fünf Zeilen: „Ihr kriegt mich nicht wieder,“.

Viele Heine-Gedichte tragen keinen eigenen Titel; sie sind nach ihrer Anfangszeile verzeichnet. So stehen die dreizeiligen Stücke von 1827 „Anfangs wollt ich fast verzagen“, „Die Mitternacht war kalt und stumm“, „Ich trat in jene Hallen“, „Selten habt Ihr mich verstanden“ und „Und als ich Euch meine Schmerzen geklagt“ nebeneinander. Fünf Zeilen haben aus demselben Jahr „Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne“, „Mag da draußen Schnee sich thürmen“ und „Zu fragmentisch ist Welt und Leben“. Kurz, gereimt, für eine Karte gut brauchbar.

Eine Eigenheit bei Georg Friedrich Daumer: Vor seinen fünfzeiligen Stücken von 1846 steht eine römische Ziffer – LXXXIV, LXXXVII, LXXXIX. Es sind durchnummerierte Stücke einer Sammlung, und die Nummer gehört zum Kopf des Textes, nicht zum Gedicht. Wer eines davon abschreibt, lässt die Ziffer besser weg oder erklärt sie. Verzeichnet sind diese Gedichte nach ihrer ersten eigentlichen Zeile, etwa „Ach, wie süß, wie süß sie duftet“ oder „Lilie hat der Zungen Zehne“ – so findet man sie wieder.

Zur Auswahl nach Anlass: Für eine Karte reichen drei bis zwölf Zeilen, und davon gibt es hier 230. Für eine Rede taugt eher, was eine Bewegung hat und nicht nach zwei Zeilen fertig ist. Das längste Stück dieser Gruppe zählt 901 Zeilen – ein Text für einen langen Abend, nicht für einen Glückwunsch. Wenn nur eine Strophe passt, nehmen Sie eine Strophe und schreiben Sie darunter, dass es eine ist. Ein ausgeschnittenes Stück Gedicht ohne Hinweis wirkt wie ein abgebrochener Satz.

Alle Texte sind gemeinfrei: siebzig volle Kalenderjahre nach dem Tod des Verfassers endet der Schutz (§ 64 UrhG), gerechnet ab dem Ende des Todesjahres (§ 69 UrhG). Für Gedichte aus den 1820er bis 1870er Jahren ist diese Frist längst abgelaufen. Sie dürfen die Texte kopieren, drucken, vertonen, in eine Ausstellung hängen, kommerziell verwerten – ohne Anfrage, ohne Honorar. Nicht frei ist, wer eine Übersetzung oder eine neuere Bearbeitung benutzt: Für die gilt ein eigener Schutz nach § 3 UrhG, mit eigener Frist.

Die Schreibungen der Zeit stehen unverändert da. „Mag da draußen Schnee sich thürmen“ trägt das stumme h, das man im 19. Jahrhundert regelmäßig setzte; „Die blauen Veilchen der Aeugelein“ löst das Ä in Ae auf, wie es der Satz am Wortanfang oft tat. Beides ist historisch korrekt und kein Versehen. Für die Quellenangabe genügt eine schlichte Zeile: Verfasser, Titel oder Anfangszeile, Druckjahr. Bei einem Stück von 1827 sieht das so aus – Heinrich Heine, „Ich trat in jene Hallen“, 1827 – und mehr braucht niemand.