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Versbuch

Abschied

Joseph von Eichendorff · 17881857

33 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1864

Im Walde bei Lubowitz.

O Thäler weit, o Höhen,O schöner, grüner Wald,Du meiner Lust und WehenAndächt’ger Aufenthalt!Da draußen, stets betrogen,Saust die geschäft’ge Welt,Schlag’ noch einmal die BogenUm mich, du grünes Zelt!

Wenn es beginnt zu tagen,Die Erde dampft und blinkt,Die Vögel lustig schlagen,Daß dir dein Herz erklingt:Da mag vergehn, verwehenDas trübe Erdenleid,Da sollst du auferstehenIn junger Herrlichkeit!

Da steht im Wald geschrieben,Ein stilles, ernstes WortVon rechtem Thun und Lieben,Und was des Menschen Hort.Ich habe treu gelesenDie Worte, schlicht und wahr,Und durch mein ganzes WesenWard’s unaussprechlich klar.

Bald werd’ ich dich verlassenFremd in der Fremde geh’n,Auf buntbewegten GassenDes Lebens Schauspiel seh’n;Und mitten in dem LebenWird deines Ernst’s GewaltMich Einsamen erheben,So wird mein Herz nicht alt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Sämmtliche Werke. 1. Band. Biographische Einleitung und Gedichte. S. 383–384, 2. Auflage, Voigt & Günther, Leipzig, 1864
Digitalisat
de.wikisource.org — „Abschied (Eichendorff)“, Fassung 2.573.910 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joseph von Eichendorff starb 1857; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1927 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118529390 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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