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Versbuch

Die Heimat

Joseph von Eichendorff · 17881857

19 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1864

An meinen Bruder.

Denkst du des Schlosses noch auf stiller Höh?Das Horn lockt nächtlich dort, als ob’s dich riefe,Am Abgrund grast das Reh,Es rauscht der Wald verwirrend aus der Tiefe –O stille, wecke nicht, es war als schliefeDa drunten ein unnennbar Weh.

Kennst du den Garten? – Wenn sich Lenz erneut,Geht dort ein Mädchen auf den kühlen GängenStill durch die Einsamkeit,Und weckt den leisen Strom von Zauberklängen,Als ob die Blumen und die Bäume sängenRings von der alten schönen Zeit.

Ihr Wipfel und ihr Bronnen rauscht nur zu!Wohin du auch in wilder Lust magst dringen,Du findest nirgends Ruh,Erreichen wird dich das geheime Singen, –Ach, dieses Bannes zauberischen RingenEntflieh’n wir nimmer, ich und du!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Werke. 1. Band. Biographische Einleitung und Gedichte. S. 317–318, Zweite Auflage, Voigt & Günther, Leipzig, 1864
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Heimat (Eichendorff)“, Fassung 3.512.924 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joseph von Eichendorff starb 1857; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1927 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118529390 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.