Auch ein Gedicht?
Joseph von Eichendorff · 1788–1857
25 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1864
(In einem geselligen Kreise bei Gelegenheit einer verlorenen Wette.)
Zwischen Acten, dunkeln WändenBannt mich FreiheitbegehrendenNun des Lebens strenge Pflicht,Und aus Schränken, ActenschichtenLachen mir die beleidigtenMusen in das Amtsgesicht.
Als an Lenz und MorgenrötheNoch das Herz sich erlabete,O du stilles, heitres Glück!Wie ich auch nun heiß mich sehne,Ach, aus dieser SandebeneFührt kein Weg dahin zurück.
Als der letzte BalkentreterSteh’ ich armer EnterbeterIn des Staates Symphonie,Ach, in diesem Schwall von TönenWo fänd’ ich da des eigenenHerzens süße Melodie?
Ein Gedicht soll ich Euch spenden:Nun, so geht mit dem LeidendenNicht zu strenge ins Gericht!Nehmt den Willen für Gewährung,Kühnen Reim für Begeisterung,Diesen Unsinn als Gedicht!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Werke. 1. Band. Biographische Einleitung und Gedichte. S. 413–414, Zweite Auflage, Voigt & Günther, Leipzig, 1864
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Auch ein Gedicht (Eichendorff)“, Fassung 2.353.058 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joseph von Eichendorff starb 1857; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1927 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118529390 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.