Das Veilchen
Johann Wolfgang von Goethe · 1749–1832
21 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1775
Ein Veilchen auf der Wiese standGebückt in sich und unbekandt,Es war ein herzigs Veilchen.Da kam eine iunge SchäferinMit leichtem Schritt und munterm Sinn,Daher! Daher!Die Wiese her, und sang.
Ach denkt, das Veilchen wär ich nur,Die schönste Blume der Natur,Ach! nur ein kleines Weilchen.Bis mich das Liebchen abgepflückt,Und an dem Busen matt gedrückt,Ach nur! Ach nur!Ein Viertelstündchen lang.
Ach aber, ach! das Mädchen kam,Und nicht in Acht das Veilchen nahm,Ertrat das arme Veilchen.Und sank und starb und freut sich noch,Und sterb ich denn, so sterb ich dochDurch sie! durch sieZu ihren Füßen doch!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Iris. Des zweyten Bandes drittes Stück. März 1775 S. 182 f., 1775
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das Veilchen“, Fassung 4.812.767 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Wolfgang von Goethe starb 1832; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1902 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118540238 der Deutschen Nationalbibliothek.
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