Morgengebet
Johann Baptist von Alxinger · 1755–1797
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1780
Allgüt’ger, der in dieser Nacht,Mit mehr als väterlichen Sorgen,Durch seinen Engel mich bewacht,Im Staub dahin gebückt, dank’ ich dir diesen Morgen.
Es öffne nie mein Auge sich,Daß ich nicht dich am ersten denke,Dich Vater zwar, doch fürchterlich,So bald ich meinen Schritt von deinen Wegen lenke.
Wenn Krankheit ihren Bogen spannt,So schütze mich; doch, willst du schlagen,Anbetend ehr’ ich deine Hand;Gieb mir nur festen Muth, mein Uebel zu ertragen.
Gieb mir, wenn meiner Feinde NeidIm Winkel lauret, mir zu schaden,Ein Herz, das ihnen gern verzeiht,Zu groß, den Haß von mir zurück auf sie zu laden.
Wird mir der Wollust ZauberrufIn weichgemachter Seel’ erhallen,Du, der nach seinem Bild sie schuf,Laß mächtiger in ihr der Tugend Warnung schallen.
Laß niemals mich unthätig ruhn,Die kleinste Pflicht genau erfüllen,Den Wunsch, den Menschen wohlzuthun,Vor der Gemächlichkeit zu eitlen Wünschen stillen,
Damit ich einst vor dein GerichtEin unbeflecktes Leben bringe,Und, voll von frommer ZuversichtAuf meiner Thaten Lohn, dir Preis und Jubel singe.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte S. 3–4, 1. Auflage, Johann Jacob Gebauer, Halle, 1780
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Morgengebet (Alxinger)“, Fassung 1.458.658 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Johann Baptist von Alxinger starb 1797; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1867 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118648594 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.