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Versbuch

Aus Bad Tölz an den Onkel

Joachim Ringelnatz · 18831934

34 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)

Was doch die Weiber für sonderbare IdeenSozusagen wie Bienen ausschwitzen:Wie wir (Anna fuhr mit mir! Also zu zween!)Jetzt in Bad Tölz ein Viertel vor zehnBeim Frühstück (Sülze mit Schoppenwein) sitzenUnd finden alles „delightful“ „ergötzlich“,Und reden zufällig über die SchwabenUnd Bayern und Sachsen,Äußert Annaweib plötzlich:Sie möchte so gern ein Kamerunbaby haben,Aber es dürfte nicht größer wachsen.

Als könnte man solchem Kinde nachts,Was es tagsüber wächst, wieder abschneiden!

Was soll nun der Unsinn bedeuten!Aber so sind die Weiber. Und schließlich: Was macht’s!Schweinfurtig schwemmt sich die Isar vor unseren Blicken.So muß der Isonzo wohl ungefähr sein.

Wir beten zum Himmel, er möge schlecht Wetter schicken,Sonst wird der Kursaal zu meinem Gastspiel ganz leer sein.

Du warst so lieb, lieber Onkel du,Mir ein Netzhemd zu senden.Es ist viel zu weit. Aber meine Frau nähte es zu,Und läßt sich herrlich zur Aufbewahrung von Zwiebeln verwenden.

Ich kann dir auch eine winzige Freude machen,Hab’ für deinen Stammtisch einen ganz neuen Witz.Du wirst dich in Stücke lachen!

Es kommt ein Jude zum alten FritzUnd stottert verlegen: „Verzeiht, Exzellenz – –“Der König läßt ihn nicht weiter sprechen.„Wie heißt? – Was will er mit Exzellenz?“Unterbricht er ihn schnell – – –

Verzeih! Ich muß mich jetzt auch unterbrechen.Man sagt mir eben: In meinem HotelBrennt’s!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Reisebriefe eines Artisten, S. 43, 44, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
Digitalisat
de.wikisource.org — „Aus Bad Tölz an den Onkel“, Fassung 1.094.594 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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