Zehn Mark, my dear
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
34 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1928
Heusinger war heute bei mir.Ob ich morgen mit zum Rennen käme,Weil doch wiedermal sein Pferd My DearAn dem Derby teilnehme.
Das dumme Tier My DearIst noch gar nicht hier.Aber es kommt vielleicht,Abgeschickt ist es;Hat aber noch nie ein Ziel erreicht.
Den ganzen Tag frißt es.
Selten steht es.Meistens liegt es.Ganz langsam geht es,Es sei denn: man schiebt es,Oder wenn es Hafer sieht, dann fliegt es.Niemals aber, niemals siegt es.So ein Pferd! Und so was gibt es!Heusinger natürlich liebt es.
X-Beine hat’sUnd sieht aus wie ungeboren.Fünf Mark Sieg und fünf Mark PlatzHab’ ich Rindvieh an dem Roß verloren.
Niemals wieder werdeIch bei einem RennenWetten, ohne PferdeVorher ganz genau zu kennen.
Stelle dir doch einmal vor:Zehn Mark Leberkäse! Zehn Mark Bier!Oder sonstwas, was ich an My DearSozusagen Knall und Fall verlor.
Nein, man soll nicht aufs Geratewohl riskieren.Dann schon lieber in der LotterieWas gewinnen, als um solch ein ViehAuf betrügerische Art sein Geld verlieren.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Allerdings, S. 35–36, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Zehn Mark, my dear“, Fassung 3.026.766 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.