Zum Inhalt springen
Versbuch

Heimat

Heinrich Kämpchen · 18471912

48 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt 1909

So liegst du wieder ausgespanntVor meinen Blicken, lachend Land,Mit deinen Tälern, deinen Höh’n,Mit Berg und Burgen wunderschön.

Wie oft schon hast du mich entzückt,Du Land, mit jedem Reiz geschmückt,Wenn ich die Augen schweifen ließAuf dich, mein Heimatparadies.

Hier Berg und Tal, dort Wald und AuMit Dorf und Weiler, wo ich schau’,Mit sanftem Steig und schroffem HangDer silberhellen Ruhr entlang.

Wohl sah ich schon voll HochgenußSo manchen stolzen Strom und Fluß,Doch schöner bist du mir, o Ruhr,Denn du durchwallst die Heimatflur.

Hier, wo die alten Berge steh’nHast du die Sachsen hausen seh’n,Ein kühn’ Geschlecht, wie Strom und Wind,Hier stand das Schloß des Wittekind.

Die Isenburg, der stolze Bau,Beherrschte einst von hier den Gau,Und gab das Echo Widerhall,War’s Hornesstoß und Waffenschall.

Dann kam des Grafen Freveltat,Vollführt auf seines Weibes Rat –Du Ruhr sahst wie der wilde MannDen Bischof niederstach im Tann. –

Vorbei, vorbei – in Trümmern liegtDie Burg, so trutziglich gefügt,Kaum kündet noch ein MauerrestVom Wall, der einst so stark und fest.

Und Altendorf und Horst und Cliff,Und Blankenstein auf schroffem Riff,Sie alle sind Ruinen nurUnd schmücken dich, du Tal der Ruhr. –

Zerstoben ist der Ritter Macht,Es herrscht der Dampf in Hütt’ und Schacht,Der Ofen faucht, das Eisen kocht,Und die Maschine stampft und pocht.

Und schafft das Leben Müh und Qual,Du bist doch schön, mein Heimattal!Du hast gelabt mich und erquickt,Wenn Schwermut mir das Herz bedrückt.

So grüß ich euch, ihr Berge kühn!Dich, blanke Ruhr, durch Auen grün!Ob sich auch ändert fort die Zeit,Ihr bleibt getreu in Lust und Leid. –

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Was die Ruhr mir sang, S. 7-8, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
Digitalisat
de.wikisource.org — „Heimat (Kämpchen)“, Fassung 3.512.935 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Heinrich Kämpchen

Alle Gedichte von Heinrich Kämpchen ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Naturalismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.