Heimkehr
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
42 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Und wieder von der ReisetourBin ich zurückgekommen,Von Feld und Wald und grüner FlurHab’ Abschied ich genommen.Schön war die Fahrt, nur trieb zu schnellZur Heimkehr wieder der Appell,Der zwingendste: Geldmangel. –
Doch war’s auch nur ein Kommen, Seh’nUnd wieder Geh’n von dannen,So flüchtig wie des Windes Weh’nBeim Frührot durch die Tannen. –Es boten doch mir HochgenußDer graue Fels, der blanke FlußUnd die besonnten Hänge. –
Zum erstenmal sah ich den Rhein,Wie ich ihn oft geträumet,Im Sommerduft, im Abendschein,Von Burgen bunt umsäumet. –Die Rebenhügel still und schön,Die Schroffen sah ich und die Höh’nIn lieblichem Kontraste. –
Und wo der stolze Strom sich wandtAuch immer durch die Auen,Die Blicke waren mir gebanntVom wunderbaren Schauen. –Die Luft so klar, der Strom so frei –Vorüber zogen LoreleiUnd Bacharach und Bingen. –
Zum Drachenfels stieg ich hinan,Den neu die Burg gekrönet,Ein alter und doch junger Mann,Vom Leben abgetönet. –Alt, weil mein Haupt mit Schnee belegt,Jung, weil das Herz noch feurig schlägtUnd für die Schönheit glühet. –
Und wieder nun bin ich zu Haus,Von der Poetenreise,Und packe still mein Ränzlein ausUnd fahr’ die alten Gleise. –Und war auch kurz der Reisegang,Er hat zu neuem SchaffensdrangMich prächtig angereget. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 93-94, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Heimkehr (Kämpchen)“, Fassung 3.512.941 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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