Golgatha
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Auf der Haide wüst und grau,Ohne Dach und ohne Wand,Liegt ein alter Zechenbau ¹),„Golgatha“ auch zubenannt. –
Golgatha, ein treffend Wort,Das der Knappenmund geprägt –Hat doch mancher Schädel dortSich gar früh zur Ruh’ gelegt. –
Aber nicht allein nur du,Schädelstätte auf der Heid’,Gabst dem Bergmann frühe RuhUnd den Schlaf der Ewigkeit. –
Nein, es türmet sich ein WallSolcher Orte ringsum hier –„Schädelstätten“ sind sie all’,Uns’re Gruben im Revier. –
Schädelstätten schlimmster Not,Ja, ich halt’ das Wort in Kraft,Schädelstätten, wo der TodTäglich seine Opfer rafft. –
Und doch, Knappe, mußt du fort,Denn das Elend treibt dich ja,Nach dem fluchbelad’nen Ort,Nach dem düstern Golgatha. –
Mußt tagtäglich für und fürWeiter fronen müd und matt,Bis sich auch für dich die TürAuftut zu der Grabesstatt. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 66-67, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Golgatha (Kämpchen)“, Fassung 1.097.726 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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