Auf dem Baaker Berge
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
40 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Mir ist als hört’ ich längst verscholl’nen Gruß,Als wollt’ es sich mit Raunen an mich schmiegen –Hier, wo ich steh’, stand einst des Römers Fuß,Hier ließ er seine Adler fliegen. –Von dieser Höh’ hat er hinabgespäh’tZur Ruhr und in die Brukt’rer Gaue –Noch hat die Zeit die Spuren nicht verwehtAuf diesem Berg von seinem Baue. –
Noch seh’ ich dort den aufgeworf’nen Wall,Längst ist die Pflugschar drüber hingegangenUnd aufgewühlt hat sie von Fall zu FallDas Kurzschwert, das die Römer schwangen. –Dazu den breiten, rostzerfress’nen SchildMit tiefen, wuchtig eingehau’nen Kerben –Die deutsche Streitaxt traf ihn hart und wildUnd schlug das Römerglück in Scherben. –
Hart war der Kampf – die Wallburg fest gefügt –Und hinter ihr nur schlachtgewohnte Streiter –Kein Schwerthieb fehlet und kein Speerwurf trügt,Mann gegen Mann – so rang es weiter. –Die Wallburg fiel, wie stark sie auch getürmt,Das Pfahlwerk sank, bedeckt von Römerleichen –Als Brukt’rer und Sigamberer gestürmt,Da mußten die Kohorten weichen. –
Da scholl vom Schlachtgesange Odins Hain,Da sauste Donars wucht’ger Hammer nieder,Der Schrecken fuhr den Römern in’s Gebein,Nur wen’ge sah’n die Heimat wieder. –Und Freudenfeuer sagten Nord und Süd:Vernichtet sind die räuberischen Horden! –Und Opferbrände haben hier gesprühtUnd Menschen sind geopfert worden. –
Ja, heilig, heilig ist ringsum der Grund,Doch blutgedünget auch die braune Erde –Hier, wo die alte Römerburg einst stund,Die trutzige dem deutschen Herde. –Noch zeigt der Berg bis jetzt den kahlen Schopf,Der unten tief im Eichwald sich verlieret –Wie gut, daß noch kein überwitz’ger KopfMit einem Denkmal ihn gezieret. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang S. 36-37, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Auf dem Baaker Berge (Kämpchen)“, Fassung 1.096.682 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.