Klagelied eines deutschen Dichters
Gustav Schwab · 1792–1850
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Wohl euch, so lang ihr etwas werdet,Und eure junge Kraft erprobt:Man rühmt euch, wie ihr euch gebärdet,Man findet’s löblich, wenn ihr tobt.
Doch weh, wenn etwas ihr geworden,Wenn ausgegohren eure Kraft;Wenn in der ächten Sänger OrdenMit Ruh’ und Tiefe nun ihr schafft.
O wie alsdann man euer DichtenMit einem andern Stabe mißt,Dann will euch jeder Knabe richten,Der immer wird und niemals ist.
Dann seyd ihr, wie der Sclav’ in Ketten:Er thue recht – wen kümmert das?Doch nichts kann vor dem Grimm ihn retten,Wenn er nur Einmal sich vergaß.
So – schafft ihr Großes, schafft ihr Aechtes?Das ist ja nur verdammte Pflicht!Doch machet Einmal nur nicht Rechtes:Das duldet, das verzeiht man nicht.
Drum seufzt, wer Stümper ist gewesen,Und nicht mehr ist: o wär’ ich’s noch!Dann würde mich mein Deutschland lesen,Und die Kritik, sie riefe: Hoch!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 120, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Klagelied eines deutschen Dichters“, Fassung 1.517.274 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.