Gebet eines Irländers
Georg Weerth · 1822–1856
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1886
Sankt Patrick, großer Schutzpatron,Du sitzest auf dem warmen Himmelsthron;O sieh mich an mit freundlichem Sinn,Dieweil ich ein armer Paddy bin.
Sankt Patrick, sieh, die Nacht kommt bald,Von England weht es herüber so kalt.O blicke auf meinen schäbigen FrackUnd auf meinen löchrigen Bettelsack.
Sankt Patrick, thu’, was dir gefällt,So groß und so schön ist ja alle Welt;O laß mich werden, was du willt –Nur bleiben nicht solch’ ein Menschenbild.
O laß mich werden ein Blümlein blau,Dann mag ich trinken den kühlen Thau.O laß mich werden ein braunes Reh,Dann kann ich fressen den grünen Klee.
O laß mich werden ein stolzer Bär,Dann geh’ ich im warmen Rock daher.O laß mich werden ein schöner Schwan,Dann wohn’ ich auf Strom und Ocean.
O mach’ aus mir einen Panther wild!Einen Leu! daß hoch meine Mähne schwillt.Einen Tiger! auf daß ich manch reichen TyrannMit rasselnden Tatzen zerreißen kann! –
Doch, Patrick, ach! taub bleibt dein Ohr;Der Paddy bleib’ ich wohl nach wie vor.’s bleibt Alles wie sonst und die Nacht ist kalt,Und der Dan O’Connell wird dick und alt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Vorwärts, S. 371–372, 1. Auflage, Verlag der Volksbuchhandlung in Hottingen, Zürich, 1886
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Gebet eines Irländers“, Fassung 3.779.736 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Weerth starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 117208612 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.