Zum Inhalt springen
Versbuch

Das ist das Haus am schwarzen Moor.

Georg Weerth · 18221856

33 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1886

3. „Das ist das Haus am schwarzen Moor.“

Das ist das Haus am schwarzen Moor,Wer dort im letzten Winter fror,Der friert dort nicht in diesem Jahr –Er sank schon längst auf die Totenbahr’.

Das ist das Haus am schwarzen Moor,Das Haus, wo der alte Jan erfror.Zur Thür gewandt das weiße Gesicht,Starb er und wußt’ es selber nicht.

Er starb. – Da kam, wie ein scheues Reh,Der Tag und hüpfte über den Schnee.„Guten Morgen Jan! Guten Morgen Jan!“ –Der Jan keine Antwort geben kann.

Da erhuben die Glocken ihr hell Geläut;Sie sangen und klangen und riefen so weit:„Guten Morgen Jan! Guten Morgen Jan!“ –Der Jan keine Antwort geben kann.

Da kamen die Kinder aus der Stadt:„Wir wissen, wie lieb er uns alle hat;„Guten Morgen Jan! Guten Morgen Jan!“ –Der Jan keine Antwort geben kann.

Tag, Glocken und Kinder er nicht verstund.Da nahte die sonnige Mittagstund’,Da nahte ein armes Weib: „Mein Jan,„Willst essen und trinken nicht, alter Mann?“

„Sieh, was ich brachte Dir aus der Stadt;„Sollst froh nun werden und warm und satt!“ –Die Alte sah lange auf ihren Jan,Da fing sie bitter zu weinen an.

Da weinte sie an dem schwarzen Moor,Am Moor, wo der alte Jan erfror;Da weinte sie ihr brennend WehHinunter in den kalten Schnee.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Vorwärts, 1. Auflage, Verlag der Volksbuchhandlung in Hottingen, Zürich, 1886
Digitalisat
de.wikisource.org — „Das ist das Haus am schwarzen Moor“, Fassung 3.779.253 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Georg Weerth starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 117208612 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Georg Weerth

Alle Gedichte von Georg Weerth ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Biedermeier und Vormärz

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.