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Versbuch

Am Hügel

Franz Grillparzer · 17911872

24 Zeilen · zuerst gedruckt 1872

O Hügel! sanft von Steinen aufgeschichtet,Die saftig Gras und Alpenmoos umzieht,Von deinem Haupt ein Baum emporgerichtet,An dem die Vogelbeere rötlich glüht;Indeß am Fuß in buntgemischter ReiheDer Schwarzbeer’ dunkle Frucht und helles KrautHoch überragt von Weidrichs Veilchenbläue,Dir einen Thron, sich eine Freistatt baut.Wie schön blickst du herab von deiner Höhe,Wie würdig stellst du dich dem Auge dar!Der Wandrer steht entzückt in deiner Nähe,Und sucht beinah nach Weihort und Altar.Gewiß auch, rollten noch die alten Zeiten,Da unentzweit der Gott und die Natur,Ein Schutzgott würde hier sich Sitz bereiten,Wo Gräser jetzt, hülflose Blumen nur.Doch da ich solches kaum gewagt zu denken,Straft Lügen mich ein schauerndes Gefühl; –Ich fühle Geister sich herniedersenkenUnd mich umlispeln in der Winde Spiel.Erinnrung kommt, der stillvertraute Zeuge,Von dem, was einst das Glück mir hier verlieh,Und, wie geschloßnen Augs ich mich hinüberbeuge,An ihrer Hand die Poesie.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte von Grillparzer. S. 24–25, 1. Auflage, Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, Stuttgart, 1872
Digitalisat
de.wikisource.org — „Am Hügel“, Fassung 3.780.068 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Franz Grillparzer starb 1872; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1942 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118542192 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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