Der Kanonengießer.
Georg Weerth · 1822–1856
36 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1886
Die Hügel hingen rings voll Thau;Die Lerchen haben gesungen.Da hat geboren die arme Frau,Geboren den armen Jungen.
Und als er sechzehn Jahre alt,Da wurden die Arme strammer;Da stand er in der Werkstatt baldMit Schurzfell und mit Hammer.
Da rannt er den Ofen in den BauchMit schweren Eisenstangen,Daß hell aus Schlacken und aus RauchMetallne Bäche sprangen!
Kanonen goß er! manches Stück!Die brüllten auf allen Meeren;Die brachten die Franzen in’s Ungelück,Und mußten Indien verheeren.
Die warfen Kugeln, leidlich schwer,Den Chinesen in die Rippen;Die jauchzten Britannien’s Ruhm einherMit eisernen Kehlen und Lippen.
Und immer goß der rüst’ge HeldDie blitzenden Geschütze,Bis ihm das Alter ein Bein gestellt,Die Fäuste wenig nütze.
Und als sie versagten den Dienst zuletzt,Da gab es kein Erbarmen;Da ward er vor die Thür gesetzt,Wohl unter die Krüppel und Armen. –
Er ging – die Brust so zornig weh,Als ob sie der Donner duchgrollte,Von allen Mörsern, die er jeHervor aus den Formen rollte.
Doch ruhig sprach er: „Nicht fern ist Das,Vermaledeite Sünder,Da gießen wir uns zu eigenem SpaßDie Vierundzwanzigpfünder.“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Vorwärts, 1. Auflage, Volksbuchhandlung in Hottingen, Zürich, 1886
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Kanonengießer“, Fassung 3.779.482 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Weerth starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 117208612 der Deutschen Nationalbibliothek.
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