Louis Capet
Georg Heym · 1887–1912
14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1911
Die Trommeln schallen am Schafott im Kreis,Das wie ein Sarg steht, schwarz mit Tuch verschlagen.Drauf steht der Block. Dabei der offene SchragenFür seinen Leib. Das Fallbeil glitzert weiß.
Von vollen Dächern flattern rot Standarten.Die Rufer schrein der Fensterplätze Preis.Im Winter ist es. Doch dem Volk wird heiß,Es drängt sich murrend vor. Man läßt es warten.
Da hört man Lärm. Er steigt. Das Schreien braust.Auf seinem Karren kommt Capet, bedreckt,Mit Kot beworfen, und das Haar zerzaust.
Man schleift ihn schnell herauf. Er wird gestreckt.Der Kopf liegt auf dem Block. Das Fallbeil saust.Blut speit sein Hals, der fest im Loche steckt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Der ewige Tag. S. 27, 1. Auflage, Rowohlt, Leipzig, 1911
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Louis Capet (Heym)“, Fassung 2.379.294 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Heym starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118550683 der Deutschen Nationalbibliothek.
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