Francisca
Frank Wedekind · 1864–1918
24 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Francisca, mein reizender Falter,Hätt’st du nicht zu eng für dein AlterDen keimenden Busen geschnürt,Dann klafften wohl nicht die Gewänder,Sobald ich nur eben die BänderMit harmlosem Finger berührt.
Nun wehr auch nicht meinem Entzücken,Als Erster die Küsse zu pflückenDer zarten, jungfräulichen Haut.Mich blendet die schneeige Weiße,Solang’ ich das Fleisch nicht, das heiße,Mit bebenden Lippen betaut.
Denn gleich wie die Knospe der BlumeNichts ahnt von der Pracht und dem RuhmeDer Rose am üppigen Strauch,So seh’ ich bescheiden erst schwellenDie keuschen, die kindlichen Wellen,Umweht von berauschendem Hauch.
O glaub mir, die Monde entfliehen,Die Rosen verwelken, verblühenUnd fallen dem Winter zum Raub.Es kommen und gehen die Jahre,Man legt deinen Leib auf die BahreUnd alles wird Moder und Staub.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die vier Jahreszeiten, 1. Auflage, Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst, München, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Francisca“, Fassung 3.778.940 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Frank Wedekind starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118629867 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.