Heimweh
Frank Wedekind · 1864–1918
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Über bemooste SteineFällt ein rauschender Quell,Glitzert im Mondenscheine,Funkelt so silberhell.
Sinnend saß ich daneben,Sah, wie die Welle schäumt,Hab’ vom vergangenen Leben,Hab’ von der Zukunft geträumt.
In der Tiefe der WogenSah ich gar mancherlei,Viele Gestalten zogenGrüßend an mir vorbei.
Waren die lieben Seelen,Die mich dereinst erfreut,Die meinem Herzen fehlenHier in der Einsamkeit.
Tausendmal laß dir danken,Lieblicher Silberbach,Daß du den HeimwehkrankenTröstest im Ungemach;
Daß du aus alten TagenFreundliches mir erzählt,Daß ich dir durfte klagen,Was meinem Herzen fehlt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die vier Jahreszeiten, 1. Auflage, Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst, München, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Heimweh (Wedekind)“, Fassung 2.308.679 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Frank Wedekind starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118629867 der Deutschen Nationalbibliothek.
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