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Versbuch

Die sieben Heller

Frank Wedekind · 18641918

40 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt 1905

Großer Gott im Himmel, siebenHeller sind mir noch geblieben!Was nur fang’ ich armer MannMit den sieben Hellern an.

Tod und Teufel, wären’s zwanzig,Tanzte gleich noch einen Tanz ichAuf der Bühne buntbemalt,Wo man zwanzig Heller zahlt!

Wären’s fünfzehn! – Einen TellerWurst kauft man für fünfzehn Heller.Hungrig bin ich so wie so;Eine Wurst macht lebensfroh.

Ach, und wären’s auch nur zehne!Ein Schluck Bier, den ich ersehne,Ist er gleich ein wenig klein,Muß für zehne käuflich sein.

Aber sieben, sieben ganzeRote Heller, nicht zu Tanze,Nicht zu Wurst und nicht zu Bier,Gar zu nichts verwendbar mir –!

Lehr’ mich du, o Fürst der Hölle,Was tät’st du an meiner Stelle,Wenn im Beutel du zuletztNur noch sieben Heller hätt’st? –

Alsbald zieht der große WeiseSeine düst’ren Zauberkreise,Spuckt nach rechts und links und spricht:Hör mich an, du armer Wicht!

Kommt bei Wettersturm und RegenDir ein Bettelkind entgegen,Schwarz von Auge, schwarz von Haar,Busen im Entwicklungsjahr,

Wirf ihr deine sieben HellerIn des Hemdes losen Göller,Sag’ ihr, sie sei engelschön,Schweig und heiß sie weitergehn!

Du hast Freude, sie hat Freude,Freuen werdet ihr euch Beide;Meine Freude hab’ auch ich,Segne und belohne dich!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die vier Jahreszeiten, 1. Auflage, Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst, München, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die sieben Heller“, Fassung 3.779.951 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Frank Wedekind starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118629867 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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