Die heiligen drei Könige
Alfred Henschke · 1890–1928
41 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1927
(Bettelsingen)
Wir sind die drei Weisen aus dem Morgenland,die Sonne, die hat uns so schwarz gebrannt.Unsere Haut ist schwarz, unsere Seel ist klar,doch unser Hemd ist besch... ganz und gar.Kyrieeleis.
Der erste, der trägt eine lederne Hos’,der zweite ist gar am A... bloß,der dritte hat einen spitzigen Hut,auf dem ein Stern sich drehen tut.Kyrieeleis.
Der erste, der hat den Kopf voll Grind,Der zweite ist ein unehlich’ Kind.Der dritte nicht Vater, nicht Mutter preist,ihn zeugte höchstselbst der heilige Geist.Kyrieeleis.
Der erste hat einen Pfennig gespart,der zweite hat Läuse in seinem Bart,der dritte hat noch weniger als nichts,er steht im Strahl des göttlichen Lichts.Kyrieeleis.
Wir sind die heiligen drei Könige,wir haben Wünsche nicht wenige.Den ersten hungert, den zweiten dürst’,der dritte wünscht sich gebratene Würst.Kyrieeleis.
Ach, schenkt den armen drei Königen was.Ein Schöpflöffel aus dem Heringsfaß –verschimmelt Brot, verfaulter Fisch,da setzen sie sich noch fröhlich zu Tisch.Kyrieeleis.
Wir singen einen süßen Gesangden Weibern auf der Ofenbank.Wir lassen an einem jeglichen Orteinen kleinen heiligen König zum Andenken dort.Kyrieeleis.
Wir geben auch unseren Segen drein,gemischt aus Kuhdreck und Rosmarein.Wir danken für Schnaps, wir danken für Bier.Anders Jahr um die Zeit sind wir wieder hier.Kyrieeleis.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Harfenjule S. 15–16, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die heiligen drei Könige“, Fassung 3.512.908 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.
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