Die Karsavina vom russischen Ballett tanzt
Alfred Henschke · 1890–1928
30 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1927
Die Karsavina vom russischen Balett tanzt.
Ach, wenn ich Engelszungen hätt’!Der Zar ist tot.Es lebe sein Balett!
Ich gäbe meiner Jahre zehn,hätt’ ich die Pawlowa geseh’n.(Nijinski sprach ich in der Schweiz:Er war ein wenig blöd bereitsund doch von stark barockem Reiz.)
Die Karsavina tanzt den Walzer von Chopin:Glaube, liebe, hoff’!Verzweifelt hing ihr oft am Hals er,der Partner namens Gawriloff.
Die Karsavina war wie Schwäneauf schwarzen Weihern manchmal sind.Sie stieg wie Anadyomeneaus Schaum und Wolken, Licht und Wind.
Sie schwebte wie ein goldner Vogelhoch über Busch und Baum und Kogel.Man sah im Himmel sie vergeh’n:So hoch, so fern, ein blasser Stern ...(Auf Wiedersehn! Auf Wiedersehn!)
Ich hielt mich fest an meiner Lehne,sie floh, um auch sich selbst zu flieh’n.Und mir ins Lid stieg eine Träne,und die war nicht von Glycerin.
Wer irdisch nur, kann also schweben,so lächeln nur, wer viel erlitt.Komm wieder, du geliebtes Leben,und bring’ den andern Partner mit!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Harfenjule S. 28-29, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Karsavina vom russischen Ballett tanzt“, Fassung 3.514.410 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.
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