Anlass
Gedichte zum Jahreswechsel: Neujahr und Silvester
Fünfzehn Gedichte gehören zu Neujahr und Silvester, darunter drei, die mit höchstens zwölf Zeilen vollständig auf eine Karte passen. Neben jedem Titel stehen Verfasser, Zeilenzahl und das Jahr der Druckausgabe. Die Längen reichen von sechs bis achtzig Zeilen; der Abschnitt unter der Liste sortiert, was sich wofür eignet.
15 Gedichte von 9 Verfasserinnen und Verfassern · davon 3 mit höchstens 12 Zeilen
Alle Gedichte: Neujahr und Silvester
Zuerst die Gedichte, die das Stichwort schon im Titel tragen, danach die kürzeren vor den längeren. Jede Zeilenzahl ist gezählt.
- NeujahrsglockenConrad Ferdinand Meyer · 6 Zeilen
- Was würden Sie tun, wenn Sie das neue Jahr regieren könnten?Joachim Ringelnatz · 8 Zeilen
- Mein NeujahrswunschKarl Henckell · 10 Zeilen
- NeujahrsnachtfahrtJoachim Ringelnatz · 13 Zeilen
- SilvesterJoachim Ringelnatz · 20 Zeilen
- Silvester Da sitzt der WeiseKurt Tucholsky · 28 Zeilen
- Neujahr 1871Theodor Fontane · 32 Zeilen
- SilvesterKurt Tucholsky · 32 Zeilen
- Silvester bei den KannibalenJoachim Ringelnatz · 35 Zeilen
- Neujahrsgruß an die Geistigen DeutschlandsKurt Tucholsky · 36 Zeilen
- Zum neuen Jahr 1820Gustav Schwab · 43 Zeilen
- JahreswechselLouise Otto-Peters · 48 Zeilen
- Neujahr 1888!Rudolf Lavant · 49 Zeilen
- Zum neuen JahreRudolf Lavant · 49 Zeilen
- NeujahrsgrußOtto Ernst · 80 Zeilen
Dieselben Gedichte, anders sortiert
Die häufigste Frage vor der Auswahl ist die Länge. Jede Untergruppe nennt die Regel, nach der sie gebildet ist — gezählt, belegt oder aus unserer eigenen Ordnung.
Kurz genug für eine Karte (3)
Höchstens zwölf Zeilen. Gezählt, nicht geschätzt.
- NeujahrsglockenConrad Ferdinand Meyer · 6 Zeilen
- Was würden Sie tun, wenn Sie das neue Jahr regieren könnten?Joachim Ringelnatz · 8 Zeilen
- Mein NeujahrswunschKarl Henckell · 10 Zeilen
Lang genug zum Vorlesen (7)
Dreizehn bis vierzig Zeilen — etwa ein bis drei Minuten laut gelesen. Gezählt.
- NeujahrsnachtfahrtJoachim Ringelnatz · 13 Zeilen
- SilvesterJoachim Ringelnatz · 20 Zeilen
- Silvester Da sitzt der WeiseKurt Tucholsky · 28 Zeilen
- Neujahr 1871Theodor Fontane · 32 Zeilen
- SilvesterKurt Tucholsky · 32 Zeilen
- Silvester bei den KannibalenJoachim Ringelnatz · 35 Zeilen
- Neujahrsgruß an die Geistigen DeutschlandsKurt Tucholsky · 36 Zeilen
Aus dem 19. Jahrhundert und davor (4)
Der Verfasser starb vor 1900. Das Sterbejahr ist aus dem GND-Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek belegt.
- NeujahrsglockenConrad Ferdinand Meyer · 6 Zeilen
- Neujahr 1871Theodor Fontane · 32 Zeilen
- Zum neuen Jahr 1820Gustav Schwab · 43 Zeilen
- JahreswechselLouise Otto-Peters · 48 Zeilen
Aus dem 20. Jahrhundert (11)
Der Verfasser starb 1900 oder später. Ebenfalls aus dem GND-Datensatz belegt.
- Was würden Sie tun, wenn Sie das neue Jahr regieren könnten?Joachim Ringelnatz · 8 Zeilen
- Mein NeujahrswunschKarl Henckell · 10 Zeilen
- NeujahrsnachtfahrtJoachim Ringelnatz · 13 Zeilen
- SilvesterJoachim Ringelnatz · 20 Zeilen
- Silvester Da sitzt der WeiseKurt Tucholsky · 28 Zeilen
- SilvesterKurt Tucholsky · 32 Zeilen
- Silvester bei den KannibalenJoachim Ringelnatz · 35 Zeilen
- Neujahrsgruß an die Geistigen DeutschlandsKurt Tucholsky · 36 Zeilen
- Neujahr 1888!Rudolf Lavant · 49 Zeilen
- Zum neuen JahreRudolf Lavant · 49 Zeilen
- NeujahrsgrußOtto Ernst · 80 Zeilen
Nach Länge, Verfasser und Druckjahr sortiert
Zu Neujahr und Silvester liegen fünfzehn Gedichte von neun Verfasserinnen und Verfassern vor. Joachim Ringelnatz ist mit vier Texten am stärksten vertreten, Kurt Tucholsky mit drei, Rudolf Lavant mit zwei; je eines steuern Karl Henckell, Theodor Fontane, Gustav Schwab, Louise Otto-Peters, Conrad Ferdinand Meyer und Otto Ernst bei. Die Längen reichen von sechs bis achtzig Zeilen, die Mitte liegt bei 32. Für einen Anlass dieser Größe ist das eine brauchbare Auswahl, und anders als bei manch anderem Termin im Jahr gibt es hier tatsächlich Kurzes: Drei Gedichte bleiben bei zwölf Zeilen oder darunter.
Diese drei zuerst, denn sie werden am häufigsten gebraucht. „Neujahrsglocken“ von Conrad Ferdinand Meyer, Druck 1882, hat sechs Zeilen und beginnt „In den Lüften schwellendes Gedröhne,“ – das kürzeste Stück der Gruppe. Acht Zeilen zählt Ringelnatz’ „Was würden Sie tun, wenn Sie das neue Jahr regieren könnten?“ von 1928, Anfang „Ich würde vor Aufregung wahrscheinlich“; der Titel ist selbst schon eine ganze Frage. Karl Henckells „Mein Neujahrswunsch“ von 1921 hat zehn Zeilen und setzt als Frage ein: „Was ich erwünsche vom neuen Jahre?“.
Von Ringelnatz stehen vier Texte in der Gruppe, alle aus Drucken zwischen 1928 und 1932. Der kürzeste ist der eben genannte Achtzeiler. „Neujahrsnachtfahrt“, 1932, hat dreizehn Zeilen und beginnt „Wenn du nachts in ein Auto steigst“ – für eine Karte eine Zeile zu viel, für einen Zettel am Küchentisch genau richtig. „Silvester“ von 1928 zählt zwanzig Zeilen und setzt mit „Daß bald das neue Jahr beginnt,“ ein. Am längsten ist bei ihm „Silvester bei den Kannibalen“ von 1931 mit 35 Zeilen, Anfang „Am Silvesterabend setzen“.
Kurt Tucholskys drei Stücke stammen aus den Druckjahren 1918, 1919 und 1922 und liegen damit dicht beieinander. „Silvester“ mit dem Anfang „Im niedern Zimmer“ ist auf 1919 datiert und hat 32 Zeilen. Ein zweites Stück wird hier als „Silvester Da sitzt der Weise“ geführt, trägt das Druckjahr 1918 und zählt 28 Zeilen; als erste Zeile ist bloß das Wort „Silvester“ erfasst. Der „Neujahrsgruß an die Geistigen Deutschlands“ von 1922 hat 36 Zeilen, und auch dort ist die erste erfasste Zeile kein Vers, sondern die Namenszeile „von Theobald Tiger“.
Genau drei Titel tragen eine Jahreszahl und sind dadurch an ihr Datum gebunden. Theodor Fontanes „Neujahr 1871“, 32 Zeilen aus dem Druck von 1905, beginnt „Das alte Jahr, – vom Thurm hat’s ausgeklungen,“. Rudolf Lavants „Neujahr 1888!“ hat 49 Zeilen, gedruckt im selben Jahr 1888, und setzt ein mit „Ob stürmisch sei die Nacht und rauh,“. Gustav Schwabs „Zum neuen Jahr 1820“, gedruckt 1828, umfasst 43 Zeilen unter der Sammelüberschrift „Neujahrslieder.“ Wer so etwas heute auf eine Karte setzt, sollte die Jahreszahl stehen lassen und als historisch kenntlich machen.
Fünf der fünfzehn Gedichte liegen zwischen 41 und 80 Zeilen; sie wollen vorgelesen, nicht abgeschrieben werden. Louise Otto-Peters’ „Jahreswechsel“ von 1893 hat 48 Zeilen und beginnt „Wenn hoch vom Turm die Glocken klingen,“. Aus demselben Druckjahr stammt Lavants zweiter Text, „Zum neuen Jahre“ mit 49 Zeilen, dem als erste Zeile die Verfasserangabe „Von Rudolf Lavant.“ vorangeht. Am längsten ist der „Neujahrsgruß“ von Otto Ernst, 1907, mit achtzig Zeilen: „Ans Tor des Türmers hab ich heut’“. Für einen Trinkspruch um Mitternacht nimmt man besser die sechs Zeilen von Meyer.
Zum Kürzen: Aus einem langen Gedicht eine Strophe herauszunehmen ist erlaubt und üblich, verlangt aber Redlichkeit in der Angabe. Also nicht „Otto Ernst: Neujahrsgruß“ unter vier Zeilen setzen, sondern „aus: Otto Ernst, Neujahrsgruß, 1907“. Wer vorträgt, sagt den Satz einfach dazu. Für die vollständige Angabe genügen Verfasser, Titel und das Jahr der Ausgabe; welche Druckausgabe der jeweiligen Fassung zugrunde liegt, steht auf der Seite des einzelnen Gedichts und lässt sich von dort abschreiben.
Rechtlich ist der Fall einfach: Diese Texte sind frei. Alle Verfasserinnen und Verfasser sind seit mindestens siebzig vollen Kalenderjahren tot, das Urheberrecht ist damit nach § 64 in Verbindung mit § 69 UrhG erloschen. Man darf sie in eine Neujahrsansprache übernehmen, in ein Gemeindeblatt drucken, auf Karten setzen und diese Karten verkaufen, ohne jemanden zu fragen. Nicht ohne Weiteres frei ist eine Übersetzung oder eine neuere Bearbeitung – daran kann ein eigenes Recht bestehen (§ 3 UrhG). Was hier steht, ist jeweils der deutsche Text in der Gestalt der genannten Ausgabe.
Zwei Dinge zum Textbild, die beim Abschreiben auffallen. Erstens die Schreibung: Fontanes Fassung von 1905 hat noch „Thurm“ mit h, während der zwölf Jahre ältere Druck von Otto-Peters aus dem Jahr 1893 bereits „Turm“ schreibt – das Druckjahr sagt hier also wenig über die Orthografie. Zweitens die erste Zeile: Sie ist mehrfach kein Vers, sondern eine Überschrift oder Verfasserangabe der Vorlage. Insgesamt reichen die Druckjahre dieser Gruppe von 1828 bis 1932, und acht der fünfzehn Ausgaben stammen aus der Zeit ab 1910.