Silvester Da sitzt der Weise
Kurt Tucholsky · 1890–1935
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 25. Dezember 1918
SilvesterVon Theobald Tiger
Da sitzt der Weise tief im Sesselund braut sich einen Schlummerpunsch.Die Nase glüht – es summt im Kessel –und nachbedenklich hängt sein Flunsch.
Sieh da, Mamachen! Hoch geschäftigeilt diese Gute hin und her.Sie kocht und gießt und klappert heftigund fragt mich schließlich, was es wär.
Denn schau: sie hat sich Blei geschmolzen,es zischt, es plumpst – sie bringt es an.Was ist das? Seh ich einen stolzenMonarchenthron? mit Bommeln dran?
Ist das die Republikenmütze?Ein Tirpitzbart? Ein voller Sack?Ein Säbel, welcher zu nichts nütze,und den man nicht mehr sehen mag?
Das alles wälz ich durchs Gemüte.„Na, Theobald? wem sieht das gleich?“so drängt mich meines Lebens Blüte.Ich weiß doch nicht … das Blei ist weich …
Das soll es nicht. Es mag erstarren!Seid hart, wie jener Landgraf war!Umtost von Junkern und von Narren,nur Männer ziehen unsern Karren –!– – – – – – – – In diesem Sinne:Prost Neujahr!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Ulk Jahrgang 47. Nummer 52. Seite 206, Rudolf Mosse, Berlin, 25. Dezember 1918
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Silvester Da sitzt der Weise“, Fassung 1.130.354 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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