Neujahrsnachtfahrt
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
13 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1932
Wenn du nachts in ein Auto steigstUnd dir ist bang und winterlich zu Mut,Und du dem Chauffeur die Richtung zeigst,Und sagst: „Sie fahren gut.“
Wenn du so den Kopf des Wagenlenkers lenkst,Daß er's gar nicht gewahrt,Wie du traurig bist und an Sterben denkst, —Das ist nächtliche Fahrt.
Draußen leuchtet Volk und lacht und schießt. —Mitlächelnd denkst du fremdwärts stillAn etwas, was du vom Flugzeug aus siehst,An ein Flüßchen, das unter dir weit fließtSohin, dorthin, wo es muß; nicht will.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte dreier Jahre Seite 130, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1932
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Neujahrsnachtfahrt“, Fassung 3.026.955 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.