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Versbuch

Knecht Ruprecht

Theodor Storm · 18171888

34 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1889

Von drauß’ vom Walde komm ich her;Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!Allüberall auf den TannenspitzenSah ich goldene Lichtlein sitzen;Und droben aus dem HimmelsthorSah mit großen Augen das Christkind hervor,Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann,Da rief’s mich mit heller Stimme an:„Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell,„Hebe die Beine und spute dich schnell!„Die Kerzen fangen zu brennen an,„Das Himmelsthor ist aufgethan,„Alt’ und Junge sollen nun„Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;„Und morgen flieg’ ich hinab zur Erden,„Denn es soll wieder Weihnachten werden!“Ich sprach: „O lieber Herre Christ,„Meine Reise fast zu Ende ist;„Ich soll nur noch in diese Stadt,„Wo’s eitel gute Kinder hat.“– „Hast denn das Säcklein auch bei dir?“Ich sprach: „Das Säcklein das ist hier:„Denn Aepfel, Nuß und Mandelkern„Fressen fromme Kinder gern.“- „Hast denn die Ruthe auch bei dir?“Ich sprach: „Die Ruthe, die ist hier:„Doch für die Kinder nur, die schlechten,„Die trifft sie auf den Theil den rechten.“Christkindlein sprach: „So ist es recht;„So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“

Von drauß’ vom Walde komm ich her;Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find’!Sind’s gute Kind’, sind’s böse Kind’?

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 143-144, 8. Auflage, Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin, 1889
Digitalisat
de.wikisource.org — „Knecht Ruprecht“, Fassung 2.136.714 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Storm starb 1888; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1958 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118618725 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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